Generation Doku

Pseudo Doku Soaps
Was richten sie mit unserer Generation an?

 

Nachmittags, 15:00 Uhr. Lisa,15 Jahre, kommt von der Schule und setzt sich vor den Fernseher. „Familien im Brennpunkt“, „Verdachtsfälle“ und „die Schulermittler“, das Programm für den Tag, angereichert mit schwangeren Teenies, suchtabhängigen Eltern und Harz IV, das sind die Hauptprobleme mit denen sich diese Soaps auseinander setzen. Lisa ist nur ein Beispiel von vielen Jugendlichen, die sich mit diesen Soaps die Zeit vertreiben. Doch wie wirkt sich das auf die Jugendgeneration aus?


Pseudo Doku Soaps werden von Laiendarstellern gespielt und Handlungen sowie Situationen der Familien sind inszeniert. Alle Pseudo Doku Soaps folgen einem bestimmten Grundmuster und haben stereotypische Eigenschaften: Sie konzentrieren sich auf wenige Personen, als Identifikationsfiguren für den Zuschauer. Sie handeln immer von „alltäglichen“ Menschen in einer außergewöhnlichen Situation oder mit einem Problem. Zudem haben sie einen unrealistischen Zeitablauf, so dass mehrere Tage oder Wochen in einer Folge abgehandelt werden.

Lisa schaut sich jeden Tag mit voller Begeisterung diese Soaps an. Doch wie beeinflusst dies ihre Identität?

In wie fern ein Jugendlicher beeinflusst wird, hängt von seiner bisherigen Identität und der Gestaltung der Pseudo Doku Soap ab. Und was versteht man unter dem Begriff „Identität“ eigentlich?

Sie ist die zu erbringende Leistung eines Individuums in einer Interaktion, bei der es sich selbst präsentiert. Eine positive Identität ist gegeben, wenn man sich individuell auf seine Interaktionspartner und auf deren Erwartungen einstellt, auf seine eigenen Erfahrungen sowie Bedürfnisse zurückgreift und nicht lernresistent, sondern offen und flexibel in einer Interaktionen reagiert.

Durch Pseudo Doku Soaps kann diese Identitätsbildung beeinflusst werden. Wenn der Jugendliche immer wiederkehrendes Verhalten und Verhaltensstrukturen in diesen Soaps sehen, kann es dazukommen, dass er diese übernimmt, da er sich vom Zeigen dieser, Erfolg verspricht. Dabei lässt der Jugendliche seinen Interaktionspartner außer Acht, in dem er nicht individuell auf diesen eingeht und immer an seinem Verhaltensmuster festhält. Somit bleibt bzw. wird dieser in seiner Identität starr.

Zudem werden bestimmte Personengruppen in Pseudo Doku Soaps häufig gleich dargestellt, somit können sich Vorurteile gegenüber diesen entwickeln.


Es sollte vor und nach der Sendung groß geschrieben, oder gesagt werden, dass die Handlungen ausgedacht sind und die Personen nur schauspielern. Manche wissen nicht, dass die Sendungen nicht „echt“ sind, und kriegen teilweise eine gefestigte klischeehafte Vorstellung. wie z.B.: Hartz 4 BezieherInnen wohnen und sich verhalten (alkoholabhängig, keine Bemühung um einen Job usw.)“, so eine befragte Jugendliche aus dem Schulzentrum Neustadt.

Da in diesen Soaps meist die folgenden Konsequenzen nicht stark genug hervorgehoben werden, wird der Jugendliche nicht effizient abgeschreckt, dieses Verhalten nachzuahmen. Somit neigt er dazu dieses zu übernehmen, ohne sich den gesamten Konsequenzen bewusst zu sein.

Jugendliche mit einer positiv gebildeten Identität, können auch positiv beeinflusst werden, in dem sie aus den Fehlern der fiktiven Personen lernen und durch das negative Auftreten derer, sich in ihren positiven Eigenschaften gestärkt fühlen.

Festzuhalten ist also, dass eine Soap mit einer Art Moral pädagogisch wertvoller wäre, als eine ohne. Allerdings reicht es nicht, diese nur kurz am Ende in schriftlicher Form neben der Werbung einzublenden, da sie so von kaum jemanden beachtet werden. Die Soap sollte gegen Ende des Handlungsablaufs die Konsequenzen stärker hervorheben und eine Veränderung vom negativen zum positiven Verhalten des Protagonisten zeigen.


Ein Artikel von: Julia Neumann, Mia Reimer und Anne-Sofie Schrör des SZ Neustadts